Samstag, 7. November 2015

Nächte in der Wüste

Den Wunsch einige Zeit in der Wüste zu verbringen hatte ich schon lange. Da ich mit meinem kleinen Mietwagen nicht in die Wüste komme holt mich Mohammed, ein Beduine, mit seinem Allrad-Wagen ab, um ins Wüstencamp zu fahren. Mit 80 Sachen steuert er den Wagen geschickt durch das Labyrinth aus Dünen, während er nebenher noch schnell ein paar Nachrichten über WhatsApp verschickt, ehe die Verbindung abbricht. Er spricht etwas englisch und erzählt mir, dass er nur ein Tag die Woche in die Schule ging, da der Schulweg als Wüstennomade sehr beschwerlich ist, und sein Vater den einen Tag als ausreichend empfunden hat.
Eine halbe Stunde später kommen wir im Wüstencamp an, eine Reihe einfacher Woll-Zelt dient als Übernachtungsmöglichkeit. 
Abdullah, ein Freund von Mohammed, holt mich später ab, um mich und ein paar andere Wüsten-Touristen zu seiner Familie zu bringen, echten Bedouinen, die in der Wüste leben. Als wir vor seinem "Haus" halten rutscht es mir zur Belustigung der anderen Touristen heraus: "oh mein Gott, oh mein Gott, was für ein Verschlag"... meine romantische Vorstellung von Wüstenbedouinen, die mit einem solchen Woll-Zelt durch die Wüste ziehen, wie ich es gerade bewohne, wird gnadenlos zunichte gemacht. Abdullah erzählt mir stolz, dass seine Familie schon seit 12 Jahren hier sesshaft geworden ist. Ein paar Hühner und eine Ziege laufen auf der Haus-Düne um das Haus herum.
Das Haus 

Die Familie 

Die Familie empfängt uns mit arabischem Kaffee und Datteln, und erzählt uns etwas über ihr Leben in der Wüste. In ihrem Haus ist es durch eine behelfsmäßig eingebaute Klimaanlage immer kühl. Ein paar Decken hängen an der Wand des Wohnzimmers, in dem die Familie nachts zusammen auf dem Boden schläft. 
Nach dem Kaffee schauen wir zusammen den Sonnenuntergang in der Wüste an. 
Anschließend bringt uns Abdullah zurück ins Camp. Am Rand einer steil abfallenden Dünen hält er mit Blick auf unser Camp an. Ich frage ihn ob wir da hinunter fahren. Er verneint, und sagt, es sei nur für uns um Fotos zu machen. Entspannt lehne ich mich zurück, bevor er lachend - ich schreiend - Vollgas gibt. 
Zurück im Camp, bemerkte ich, dass es sehr kühl geworden ist und ziehe mein Vlies an. Beim Abendessen erzählt mir unser Koch, dass es in schon zwei Wochen hier so kalt sein wird, dass sie tagsüber auch jetzt so gekleidet sein werden wie ich es bin, und nachts sogar dicke Jacken anziehen müssen. 
Nach dem Essen ziehe ich mich in Richtung Zelt zurück, hinter das ich mich setze, um den mit 100000000 Sternen übersäten Himmel zu bewundern. Unzählige Sternschnuppen in dieser Nacht lassen mich hoffen, dass meine Wünsche in Erfüllung gehen. 
Zudem fällt mir die Stille der Wüste auf, eine Stille wie ich sie noch nie erlebt habe. Keine Geräusche sind hörbar, nur die eigene Atmung. 
Auf dem Weg zurück ins Zelt läuft mir eine Eidechse über den Weg. Am nächsten morgen stelle ich fest, dass dies wohl nicht die einzige Eidechse ist. Die Wüste lebt. Im feinen Wüstensand sind überall Abdrücken von Fußspuren der Tiere. Kein Quadratmeter bleibt verschont.
Zum Sonnenaufgang klettere ich auf den Kamm einer hohe Düne, von wo ich den Blick über das Tal genieße. Verschiedene Wellenformationen, vom Wind gezeichnen, zeichnen sich im Sand ab. 



Im Tal ziehen ein paar Vögel vorüber, die ich von hier oben von oben betrachten kann. Mit der aufgehenden Sonne wird es gleich spürbar wärmer. Ein neuer Tag ist angebrochen, der aufkommende Wind verwischt alle Spuren der vorigen Nacht im Sand...

Nachahmung empfehlenswert!


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