Samstag, 14. November 2015

Zuhause bei einer omanischen Familie

Nach der Besichtigung einer Sehenswürdigkeit komme ich mit einer Mitarbeiterin ins Gespräch, die mich für den kommenden Tag zum Mittagessen zu ihrer Familie einlädt. Ich stimme zu, und so fahre ich am nächsten Tag zu ihr. Dort angekommen, werde ich von allen sofort herzlich begrüßt. Ein wildes Durcheinander, jeder scherzt mit jedem und mir fällt sofort die Stellung der Kinder auf, die reihum von jedem geknuddelt werden. Mir wird erklärt, dass nach dem Freitagsgebet die ganze Familie zusammenkommt, um gemeinsam zu Essen. Die Tante, die Geschwister, die Eltern, ...
Danach wird zum Essen gebeten. Mir werden riesige Berge auf den Teller gepackt. Als ich die anderen Teller anschaue wird mir schnell klar, dass vorzeitiges Aufgeben nicht ist, da die anderen alles aufgegessen haben. Ein riesiger ganzer Fisch, arabischer Reis und viele andere Köstlichkeiten werden angeboten. Die meisten essen mit der rechten Hand ohne Besteck. Sie quetschen den Reis zu kleinen Häufchen und schieben sich diese in den Mund.  
Danach setzen wir uns im Wohnzimmer zusammen und unterhalten uns bevor es Dessert gibt. Der anwesende Bruder erklärt mir, dass  der Islam 4 Frauen pro Mann duldet. Scherzhaft erklärt er mir, dass seine Frau keine richtige Muslimin sei, da sie das ganze Haushaltsgeld verbraucht und es so unmöglich für ihn wäre, noch eine andere Frau zu haben. Mit lautem Lachen wird das von seiner Frau und den anderen quittiert. 
Dann wird zum Dessert gerufen, wobei ich den Weg Richtung Küche einschlage. Doch weit gefehlt. Das Dessert wird auf dem Teppich sitzend eingenommen. Es gibt arabisch gewürzter Rührkuchen und Schokomousse. Dazu der typische arabische Kaffee in - für unser Empfinden - winzigen Tassen und Tee. 
Danach geht der zukünftige Ehemann der Schwester, es sind nur noch der Vater und der Bruder anwesend, die Frauen, die Kopftücher getragen haben, nehmen diese jetzt ab. 
Das Mittagessen sollte nicht das einzige Erlebnis bei dieser Familie bleiben.  Ich werde danach ins Zimmer der Person gebeten, die mich eingeladen hat.  Es findet eine Hochzeit statt, auf die ich mitkommen soll. Ich soll Kleider und Schuhe anprobieren. In einem viel zu langen Kleid und in viel zu kleinen Schuhen werde ich auf die abendliche Feier mitgeschleppt. Es ist die Henna-Feier (es findet eine Henna-Bemalung der Hände statt) am Abend vor der Hochzeitsfeier, es sind nur Frauen anwesend und daher gibt es auch nur weibliche Kellnerinnen. Alle Frauen tragen lange,  prachtvolle Kleider. In Deutschland würde man sich in solch einem Kleid wie ein geschmückter Weihnachtsbaum vorkommen. Glitzer von Kopf bis Fuß, Schleifen und lange Schleppen werden getragen. Es gibt Essen, dann wird die Musik ausgemacht und die Braut kommt. Langsam schreitet sie durch die Halle, und nimmt am anderen Ende auf dem Podium Platz. Die anderen Gäste setzen sich neben sie um Fotos zu machen. Während die Braut sitzt tanzen die anderen Frauen auf der Tanzflächen vor ihr. Die Musik ist zunächst arabisch, bevor schließlich auch die mir bekannten englischen Chart-Hits gespielt werden. 
Nach einer Stunde wird die Musik ausgemacht,  der Ehemann kommt. In traditioneller arabischer Kleidung, mit einem silbernen Krummdolch im Gürtel und einem silbernen Schwert in der Hand betritt er den Saal und setzt sich neben seine Frau. Die Fotosession beginnt von vorne. Nachdem das Ehepaar eine halbe Stunde auf dem Podest sitzt gehen sie Hand in Hand nach draußen, die Party ist nun vorbei. 
Auf dem Heimweg habe ich die neu gewonnene arabische Freundin sowie ihre Schwestern mit im Auto. Bisher habe ich ausschließlich arabische Radiosender gehört, da ich offenbar nur diese empfangen konnte. Die Mädels finden das unmöglich, sie stellen und speichern mir gleich mal sämtliche westliche Sender im Radio ein und singen von der Rückbank  die Chart-Hits lauthals mit.
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Aus Rücksicht auf die kopftuchtragenden Frauen, die sich normalerweise nicht fotografierenlassen, verzichte ich in diesem Beitrag auf Fotos. 

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